08.02.2004

tomo@tomopolic.de – Mobile 0157 56107939

Fotos:Tomo Polic

 

In den jugoslawischen Kinos gab es keine Alterskontrolle, kein FSK oder etwas Vergleichbares. Zumindest hat sich keiner drum gekümmert. So bot sich für mich als Kind die Möglichkeit fast alle neuen Filme im Kino zu sehen. Die Stadt Zadar hatte zwei Kinos: "Zadar" und "Pobjeda" (Der Sieg), die es heute noch gibt. Ich bevorzugte den „Sieg“. Der „Sieg“ war kleiner und älter als Zadar, das als modern galt. Dort sah ich alle Godfather-Filme, Formans „Einer flog über das Kuckucksnest“, alle Dirty Harry-Filme, „Eis am Stiel“, „Der Schulmädchenreport“ (jugoslawischer Titel: „Die wahren Geschichten“), „Sechs Schwedinnen von der Tankstelle“ aber auch „Das Schlangenei“ von Bergman, Hitchcocks „Psycho", Makavejevs „Die Ballade von Lucy Jordan“ Pasolinis „120 Tage von Sodom“. In „Pobjeda“- Kino lernte ich zwischen Fellini und Eis am Stiel zu unterscheiden.

 

Die Kinobetreiber waren in Jugoslawien schon damals marktorientiert und zeigten vor allem amerikanische Produktionen. Im Normallfall gab es pro Woche in jedem der beiden Kinos jeweils zwei neue Filme. Nur selten, wenn ganz wenige Zuschauer kamen, wurde kurzer Prozess gemacht und der unbeliebte Film war am nächsten Tag schon nicht mehr im Programm. So verpasste ich (später wird sich zeigen, dass es kein großer Verlust war) den Film über meine Lieblingsband The Clash – „Rude Boy“, der übrigens als Kindervorstellung um 16 Uhr lief.

So wie ich, verbrachte auch Kristian seine Freizeit meistens im Kino.

Hier in Frankfurt.