10.02.2004

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Fotos:Tomo Polic

 

Auf dem Bild ist Martin, ein sehr guter Freund von mir. Er raucht.

Und er ist Musiker.

 

Die Amerikaner rauchen nicht mehr. Die, die noch rauchen, sehen sich selbst als Rebellen, Nonkonformisten, Künstler, Outlaws, Unangepasste. Amir, ein anderer sehr guter Freund, der auch Musiker ist und in Amerika lebt, besuchte mich vor ein paar Jahren. Er musste 1997 Deutschland verlassen, obwohl er als Vorzeigebeispiel äußerst „gelungener Integration“ hätte dienen können. Er kam mit seiner Band HAIRSHIRT,

als Amerikaner aus Detroit und war also nicht mehr der abgeschobene Flüchtling aus Bihać. Die Menschen in Deutschland waren besonders freundlich zu ihm. Denn er war Musiker und sprach Deutsch mit amerikanischen Akzent. Es schien so, dass man ihn plötzlich besonders respektierte und ein kleines bisschen Angst vor ihm hatte. Denn jetzt war Amir ein Amerikaner. Ein Sieger über die „Nazis“.

Die Musiker, der Medizinstudent und Bassist Tod, seine Freundin und der Schlagzeuger, sie waren alle Raucher. Sie wollten auf keinen Fall in der Wohnung rauchen, obwohl ich es als großartiger, großzügiger und toleranter Ausnahme-Ex-Raucher ganz selbstverständlich erlaubt hätte. Bei mir werden Raucher geduldet und herzlich willkommen geheißen.

Sie rauchten trotzdem immer auf dem Balkon, und schämten sich ein bisschen, dafür was sie da machen. Diese Rebellen.