14.02.2004

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Fotos:Tomo Polic

14.02.2004

 

Agnes auf dem Flohmarkt

Als ich nach Frankfurt kam, ging ich oft in die Cafés um mich mit meiner Freundin Kristina und anderen Freunden aus Jugoslawien zu treffen. Wir gingen oft ins TAT oder in das Mozart Café. In jeder Bar, in jeder Kneipe gab es Tageszeitungen, im Café des Mal Sehn' - Kino sogar Filmzeitschriften. Das fand ich sehr schön. Das einzige Problem war, dass ich nicht lesen konnte. Ich war wie ein Kind, das zwar die Buchstaben schon kennt, aber mit seinem Wissen noch nicht viel anfangen kann. Auch die Radiomoderatoren und die Nachrichtensprecher konnte ich nicht verstehen. Die Hektik, die die Radiomoderatoren verbreiteten, spürte ich schon. Die Namen der Ortschaften, die damals in den Nachrichten vorkamen, wie Sarajevo, Vukovar, Dubrovnik, kannte ich auch.

In der Warteschlange vor dem Ausländeramt, gab ein junger Albaner vor einer Kroatin an: „Ohne uns hätte es das alles nicht gegeben.“ Es dauerte ein paar Minuten bis ich verstehen konnte, worauf der Junge so stolz war. „Ohne uns“, also ohne uns Albaner, könnten wir die deutsche Aufenthaltsgenehmigung, „Duldung“, nicht bekommen, auch keine Arbeitserlaubnis, wir wüssten nicht was Aldi ist (ein italienischer Name?), und würden nicht in dieser Warteschlange stehen können, und neue Freundschaften und neue Erfahrungen sammeln. Das war 1992. In diesem Jahr lernte ich auch Agnes kennen. Sie wohnte in der Nordweststadt. Zu dem Haus in dem sie wohnte gehörte eine kleine Baracke mit der Werkstatt. Dort probte ich mit meiner Band. Ab und zu sahen wir uns dort.