22.01.2004

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Fotos:Tomo Polic

22.01.2004

 

Einen Erste-Hilfe-Kurs habe ich als Kind in der Schule absolviert und sogar an einem Erste-Hilfe-Bundeswettbewerb teilgenommen: in einer Sporthalle habe ich an einer ziemlich, und an verschiedenen Körperteilen verletzten, am Boden liegenden Mumie, gespielt. Ich sollte einfach da liegen und nicht atmen. In Deutschland, in Frankfurt habe ich, in der Funktion des Lesezirkel-Lagerleiters, einen Erste-Hilfe-Kurs besucht. An alle Details kann ich mich nicht erinnern, aber an manches schon. Man kann sich nie an alles erinnern. Oder man erinnert sich falsch. Zum Beispiel an etwas, was gar nicht stattgefunden hat. Wie auch immer, war ich damals froh etwas anderes machen zu dürfen als im Zeitungslager tausende von Lieferscheinen zu lesen, die Paletten mit Zeitungen oder die leeren Holzpaletten hin und her zu schieben und mich mit meiner Kollegin Elke über den Sinn des Lebens zu unterhalten. Für mich waren es zwei freie Tage. Der Veranstalter war das Rote Kreuz, insgesamt nahmen etwa zehn Leute teil, die von unterschiedlichen Firmen in den Kurs geschickt wurden. Hinter dem Erste-Hilfe-Haus war (und ist wahrscheinlich immer noch) das kleine Stadion des kleinen Fußballklubs Concordia Eschersheim in dem Roland spielte, der Bass-Gitarrist in den "Mad Passengers", der Band in der ich in den 1990ern gesungen habe. In der Pause rauchte ich draußen und schaute auf den grünen Rasen, grauen Himmel und die grauen Gesichter, die neben mich rauchten. Am zweiten Tag wurde endlich Mund-zu-Mund Beatmung geübt. Die Kursteilnehmer fanden den Vorgang erotisch-lustig, sodass die Laune immer besser wurde, wie immer wenn sich die Sache der körperlichen Liebe nähert. Obwohl die Puppe alt und nicht nur verletzt, sondern auch ziemlich ungepflegt und verbraucht aussah, sehr unangenehm, nach Urin roch und nach Bier stank, und außerdem (nach altrömischen Frauenkörperideal gebaut) keine Beine besaß, sich um einen überhaupt nicht gekümmert hatte, und einen eher frigiden Eindruck machte, wurde sie trotzdem von allen leidenschaftlich geküsst, festgehalten und immer wieder gerne gerettet.