25.01.2004

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Fotos:Tomo Polic

 

 

Heute ist der 25. Januar und ich denke an Weihnachten. Wenn ich jetzt über Weihnachten schreibe, was schreibe ich dann an Weihnachten?

 

Über Weihnachten kann man immer schreiben. Man kann über alle

Tage im Jahr jeden Tag schreiben, so einfach ist das. Als Kind bin ich an Heiligabend immer draußen gewesen. Die Gastarbeiter aus Deutschland brachten Feuerwerkskörper und Raketen mit.

Alle anderen kauften einfache Kracher bei Roma-Familien, die in der Innenstadt, in den 2.Weltkrieg-Ruinen wohnten. So auch ich und mein Cousin Slaven. Alle Kirchen waren voll, die stolzen Männer in Anzügen und Krawatten sangen Lieder mit eingängigen, schönen Melodien.

Ein paar Jahre später werde ich mit meiner Zagreber Band & dem Kunstprojekt " Die Gesellschaft für den Aufbau einer besseren Zukunft"

(Društvo Graditelja Bolje Budućnosti oder DGBB), die sich hauptsächlich für mehr Lächeln in der Welt einsetzte, die Punk-Versionen davon machen.

 

Als ich 1991 nach Deutschland kam, erlebte ich ein anderes Weihnachten: Als Fest der Familie und der großen, bunt geschmückten Kaufhäuser. Es waren plötzlich Weihnachten der leeren Straßen und des Abendessens mit 5 Gängen und Geschenken, ganz ohne Feuerwerkskörper, ohne Raketen und andere Licht- und Lärmobjekte, ohne Wunderkerzen, ohne die Sänger und ihre Krawatten. Nicht auf der Straße, nicht in der Kirche, nicht auf der Mitternachtsmesse, wurde es laut. Man saß zuhause mit frisch und bunt eingepackten Geschenken, Paketen und Päckchen, die aus dem Kaufhof und der Kaufhalle, aus Douglas, aus HL, C&A, H&M, Woolworth, Beate Uhse, Saturn, Aldi, Rossman und Lidl stammten. Draußen war es still. Die Stille Nacht, wie ich sie nicht kannte: wie in dem alten Weihnachtslied.