10.Sitzung

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10. Sitzung: Wer singt denn da?

Der Regisseur und Maler Slobodan Šijan studierte an der Belgrader Akademie für Film, Theater und Fernsehen in der Klasse von Živojin Pavlović. Ko to tamo peva? (Wer singt denn da?) war seine Abschlussarbeit, davor arbeitete er für das Fernsehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Rodoljub Jovanović

 

Ko to tamo peva, ursprünglich als Fernsehfilm in der Regie von Goran Paskaljević geplant, wurde überraschend der meistgesehene jugoslawische Film überhaupt. Allein in Belgrad sahen ihn mehr als 500 000 Zuschauer. Vor ein paar Jahren wurde er zudem zum besten serbischen Film aller Zeiten gekürt. Die Tatsache, dass alle am Film beteiligten von dem unerwarteten Erfolg überrascht waren, passt sehr gut in die Geschichte dieses außergewöhnlichen Films..

 

Žikas Dynastie

 

Anfang der 1980er liefen in den jugoslawischen Kinos die sogenannten Familienkomödien, auf die meist soapartige Fortsetzungen folgten. Der Vorreiter und einer der bekanntesten und kommerziell erfolgreichsten Titel war der mit einem Jugendfilm angefangene Film-Serial Lude godine (Die verrückten Jahre, 1977), der es bis 1992 auf ganze zehn Folgefilme brachte, und in Anlehnung an den Name der Hauptfigur Žika (Dragomir Bojanić- Gidra) als Žikina dinastija (Žikas Dynastie) bekannt wurde. Ein weiterer Film-Hit, Tesna koža (Die enge Haut, 1982) mit der Sängerin Lepa Brena (schöne Brena, auch Brena Nacionale genannt) erlebte drei Folgen.

 

 

Lepa Brena in Hajde das se volimo (1987, Lass uns Liebe machen)

 

Eine Ehrenrunde für die Marathonläufer

 

Wer singt denn da? kam also in die Kinos in den Zeiten der Leinwandherrschaft banaler, harmlos-populistischer, post-titoistisch-sozialistischer Komödien, die zwar selten lustig, aber umso beliebter waren, und stellte in gewisser Weise einen Gegenentwurf zu den Volkskomödien dar. Es ist ein Werk, das man schwer einordnen und von dem man nicht einmal genau sagen kann, worüber es handelt. Das Drehbuch schrieb der bekannteste zeitgenössische serbische Dramatiker, und neben Gordan Mihić der bedeutendste jugoslawische Drehbuchautor, Dušan Kovačević. Zwei Jahre später, 1982 wurde ein weiteres gemeinsames Projekt von Šijan und Kovačević realisiert, eine ebenso schwarzhumorige Komödie Maratonci trče počasni krug (Eine Ehrenrunde für die Marathonläufer), die heutzutage ähnlichen Kult-Status genießt. Maratonci erzählt die Geschichte des traditionsreichen jugoslawischen Bestatter-Familienunternehmens Topalović, das nach dem Tod des Familienoberhauptes, den 150-jährigen (!) Pantelija, auseinander fällt. Der Film spielt am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1935, ein paar Monate nach dem tödlichen Attentat auf den jugoslawischen König Aleksandar Karađorđević in Marseille. In der Figur des Pantelija sah Dušan Kovačević den verstorbenen Präsident Tito. Pantelijas fünf, ebenso sture wie (ur-)alte, um das Erbe des Patriarchen kämpfende Söhne, stellten die führenden (und genauso altgebackenen) Kommunisten aus den zerstrittenen jugoslawischen Republiken dar. Die Dialoge und Sprüche aus diesen zwei Filmen sind bis heute in der kollektiven Erinnerung der Menschen geblieben und scheinen nichts von deren Aktualität und Witz verloren zu haben.

 

Maratonci trče počasni krug (1982, Eine Ehrenrunde für die Marathonläufer), Trailer

 

Das Ärzte-Konsilium aus Ljubljana

Die Dreharbeiten für Wer singt denn da? fingen am 26. April 1980 an. Der Film wurde nach nur etwa 21 Drehtagen mit mehr als bescheidenem Budget von 20 000 $ fertiggestellt. Jeden Tag drehte man bis zu

20 Stunden.

Im April 1980 befand sich Jugoslawien in einer Art Ausnahmezustand. Denn der Marschall Tito, Präsident und geliebter Führer der jugoslawischen Völker, lag seit Monaten im Krankenbett. Das „Ärzte-Konsilium“ meldete sich stündlich aus Ljubljana im Radio- und Fernsehnachrichten und berichtete über die Neuigkeiten des Gesundheitszustandes der bedeutendsten Person der jugoslawischen Geschichte. Bei den Meldungen handelte es sich meistens um äußerst knappe und allgemeine Informationen: es ging ständig hin und her, mal wurde es besser, dann wieder schlechter, mal „kritisch“, mal „stabil“. Im Radio und im Fernsehen lief nur klassische Musik, tagsüber wie nachts. Das freute die wenigen Klassik-Liebhaber und diente vor allem als ideale Geräuschkulisse für die allgegenwärtige, durch die einheitlich auftretenden Medien sorgfältig inszenierte, merkwürdig- deprimierende, melancholisch - surreale Endzeitstimmung. Man schien einer Ära nachzutrauern, noch bevor sie zu Ende ging und endgültig zur Geschichte wurde. Das friedliche, vergleichsweise sorglose Leben in der sozialistischen Gemeinschaft wurde bereits beweint, noch bevor sie, mit ihrer Symbolfigur, gestorben war. Man spürte die Angst um die Zukunft, alle fragten sich: Wie soll es weiter gehen? Wird es nach Titos Tod einen neuen Bruderkrieg geben? Tito starb am 4. Mai 1980, nach der offiziellen Version genau um 15:05 Uhr. Dies meldet das berühmt gewordene Ärzte-Konsilium aus Ljubljana. Titos Beerdigung sei die größte aller Zeiten gewesen, in der ganzen Welt, erwähnte man oft und nicht ohne Stolz. Und es stimmte: noch nie kamen so viele bedeutende und unbedeutende Politiker zusammen, aus dem Westen, Osten und der Dritten Welt. Mit der Beerdigung Titos wurde der Höhe- und Endpunkt des Glaubens der Jugoslawen an die bessere Zukunft zelebriert und manifestiert. Denn zugleich wurde der unaufhaltsame Prozess der Desillusionierung gestartet. Die Partei und der „kollektive Präsident“ mit jeweils einem Vertreter aus sechs Republiken und zwei Autonomen Provinzen, starteten eine Kampagne, die mit den Parolen wie „Und nach Tito-Tito“ oder „Wir sind alle Tito“, den leeren Raum, den Tito gelassen hat, zu füllen versuchte. Es wird sich aber zeigen, dass der Glaube an Tito, als „Garanten des Friedens“ in die klassische Religiosität übergehen wird. Im jugoslawischen Fall bedeutete dies eine enorme Stärkung der nationalistischen Kräfte und der Xenophobie.

 

Der Genosse Tito ist tot

 

Die Ungewissheit, die das Land überwältigte, kann man in der Atmosphäre des Šijans Films spüren. Das Ende des Films hat es in sich: er endet mit der Katastrophe, mit der Bombardierung Belgrads durch die Deutschen, an dem Tag, der den Beginn der Okkupation und des blutigen Bruderkrieges zwischen den Völkern Jugoslawiens bedeutete.

Übrigens, das was in Jugoslawien nach dem Tod des Präsidenten passierte, war zunächst vielmehr das Gegenteil vom Krieg und überraschte sogar die Jugoslawen selbst. Denn das Land schien aus dem langen Schlaf wie ein fröhliches, verspieltes Schneewittchen aufzuwachen, es wirkte munter wie selten zuvor: die Musikszene lebte auf, eine junge Generation der Filmregisseure (Srđan Karanović, Rajko Grlić, Emir Kusturica) machte auf sich aufmerksam. Der Krieg, wie wir alle wissen, wird etwa zehn Jahre nach Titos Tod doch noch kommen, um den Prozess der Demokratisierung auf zynischste Weise endgültig abzuschließen.

 

Humorloser Buňuel

Wer singt denn da? spielt an einem einzigen Tag und wurde in der genauen Reihenfolge, die in der finalen Fassung zu sehen ist, gedreht. Die eigentliche Handlung des Films ist die chaotische Busreise von einem Ort im serbischen Nirgendwo nach Belgrad, die Hauptstadt des Königreichs Jugoslawien. Insofern erinnert der Film an das mexikanische, episodenhafte Frühwerk Louis Buňuels Subida al cielo (Mexikanische Busreise) aus dem Jahr 1952, der die Reise eines frischverheirateten Paares durch Mexiko zeigt. Von dem italienischen Neorealismus beeinflusst wirkt, Subida al cielo fast dokumentarisch und für Buňuel ungewöhnlich trocken, beinah humorlos. Einzig die wenigen surrealen Szenen lassen das Handwerk des späteren Buňuels erkennen.

 

 

Apokalyptische Reise

 

Wie Buňuels Reisende, vertreten auch Šijans Passagiere die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Generationen. Es fahren also mit: ein junger, gut aussehender und eitler Sänger (Dragan Nikolić, den wir unter anderem als erfolgs- und talentlosen Sänger Jimi Barka kennengelernt haben), ein reicher und patriotischer Bauer und Kriegsveteran (Mića Tomić), ein gutsituierter Bürger, möglicherweise Industrieller, der mit den Deutschen sympathisiert und die von den Deutschen verkörperte Disziplin und Effizienz bewundert und fordert (Danilo Bata Stojković), ein ungeschickter, verwirrter Jäger (Taško Načić), zwei junge Roma-Musiker (Miodrag und Nenad Kostić), die das Geschehen mit ihren brechtschen Song-Kommentaren begleiten, ein schwacher Tuberkulosekranker (Boro Stjepanović) und wie oben erwähnt, ein frisch verheiratetes, junges Bauern-Pärchen (Slavko Štimac und Neda Arnerić). Für das Minimum an Ruhe und Ordnung im Bus (oder für das Gegenteil davon), sorgen die Angestellten des Busunternehmens Krstić, der Schaffner (Pavle Vuisić) und sein geistig zurückgebliebener Sohn und Fahrer des Buses Miško (Aleksandar Berček, den wir in der Hauptrolle in Dečko koji obećava gesehen haben). Die Rolle des Schaffners hätte ursprünglich Mija Aleksić spielen sollen. Da der Wunschkandidat woanders beschäftigt war, übernahm Pavle Vuisić, der als schwierig galt, die Rolle des Schaffners. Der Zufall zeigte sich, wie oft im Leben, als großer Gewinn für den Film.

 

Die Brücke ist nicht mehr da

 

Der Film besteht aus vielen, kurzen Episoden. Die Reise verläuft alles andere als flüssig, der Bus fährt auf den schlechten, nicht asphaltierten Straßen und wird mehrmals gestoppt: von den Bauern, von der Armee, von den Brückenbauern, und auch mal durch den Defekt am veralteten Bus. Die Fahrkarten der Fahrgäste werden regelmäßig kontrolliert und im Fall des Verlusts die neuen erstellt; auch lebende Schweine dürfen mitfahren, unterwegs werden sie von den Bauern geschlachtet, gebraten, in Portionen geteilt und an die hungrigen Fahrgäste verkauft; eine Begräbnis-Trauerfeier wird von den Fahrgästen, während die Panne am Bus repariert wird, mitgefeiert; der Jäger verschwindet und fährt dann irgendwann doch wieder mit; ein totgeglaubter Passagier lebt wieder auf; es wird diskutiert, gestritten, geflirtet und vor den Augen anderer „Liebe gemacht“. Der Jäger kann nicht schießen, der Bräutigam ist ein Kind, der Busfahrer ist unberechenbar, die Brücke, die der Bus überqueren soll existiert nicht. Der infantile, geisteskranke Busfahrer wird am Schluss mobilisiert und bei der jugoslawischen Armee eingestellt, denn ein jugoslawischer Offizier (Slobodan Aligrudić) hat von allen Busreisenden ausgerechnet ihn ausgesucht. Wen und was kann eine Armee mit solchen Soldaten noch besiegen oder beschützen? Wo man hinschaut herrscht Verwirrung und Tumulte.

 

Trotz aller Schwierigkeiten wird die Reise, die tragisch enden wird, bis zu ihrem Ziel fortgesetzt.

 

 

 

Wilde Tiere in der Stadt

 

Am Ende des Films sollten während des Bombardierens, so stand es im Drehbuch, alle Tiere aus dem Zoo fliehen und die Stadt bewohnen. Da Tito im Sterben lag, waren die Staatsgrenzen dicht. So konnte der italienische Zirkus, der sich um die dressierten Tiere kümmern sollte, nicht ins Land einreisen. Šijan verzichtete gänzlich auf die Sequenz und beendete den Film mit der Einstellung des brennenden Busses, aus dem sich nur zwei Roma-Musiker, die kurz davor noch von allen Passagieren, nach falscher Beschuldigung, geschlagen worden sind, wie zwei Engel der Apokalypse, retten konnten.

 

Emir Kusturica wird die Idee mit den aus dem ZOO fliehenden Tieren etwa 15 Jahre später aufgreifen und

in die Eröffnungssequenz seines Films Underground (1995) integrieren. Das Drehbuch stammt wieder von Dušan Kovačević. Man könnte sagen, dass Kusturicas Filmepos in gewisser Weise wie eine Fortsetzung von Wer singt denn da? funktioniert.

 

 

Underground wurde als Hommage an das untergegangene und im Krieg mittlerweile bereits verwüstete Jugoslawien gedreht. Er gewann die Goldene Palme in Cannes, wurde aber wegen den Dokumentarfilmaufnahmen, die die begeisterten Massen beim Ankommen von Hitlers Truppen in slowenischen Maribor und kroatischen Zagreb 1941 zeigen, als propagandistisch, nationalistisch und proserbisch bewertet.

 

Hier zeigt Kusturica das Eindringen der Tiere in die Stadt, den Ort der Zivilisation und Ordnung. Die Tiere aus dem Zoo sind zwar ganz ohne Schuld, müssen aber an Folgen ihrer plötzlichen und ungewollten Freiheit leiden. Sie wurden frei, am falschen Ort, zum falschen Zeitpunkt. Andererseits wird das Leben in der Stadt durch die Anwesenheit der freilaufenden wilden Tiere für die Menschen mehr als gefährlich. Die Stadt wird zur Wildnis, die Menschen zu Tieren, und Tiere zur Bedrohung, zum Sinnbild des Chaos, der Angst und Gewalt, die der Krieg mit sich bringt.

 

Auf Wiedersehen im nächsten Krieg

 

Interessanterweise „spielte“ der Bus von Firma Krstic schon im Film Nasvidenje v naslednji vojni (Auf Wiedersehen im nächsten Krieg), den Živojin Pavlović ein Jahr davor, 1979, in Slowenien drehte. Der Kriegsfilm mit dem programmatischen Titel behandelt das Thema der Schuld und Sühne und die Schwierigkeiten der Vergangenheitsbewältigung und des Lebens nach erlebtem Krieg. In einem spanischen Hotel lernen sich der deutsche Tourist Bitter und der Slowene Berk kennen. Sie stellten fest, dass sie beide im 2. Weltkrieg auf unterschiedlichen Seiten gekämpft haben. Während der Deutsche ziemlich ausgelassen mit den Verbrechen, die von ihm und seinen Kammeraden begangen waren, umgeht, und sie in die Reihe der allgemeinen, unschönen historischen Gegebenheiten, in der die „Menschen zu Tiere wurden“, eingliedert und so abtut, ist der ehemalige slowenische Partisan mit seinen Kriegserlebnissen immer noch nicht fertig. Der anscheinend mit sich selbst im Reinen stehende Bitter schrieb gar ein Buch (das er beim Abschied Berk schenkte), mit den Kriegserinnerungen, um sich von der unschönen Vergangenheit zu „befreien“, also wie man so schön sagt, sie zu „verarbeiten“. Parallel zu den Gesprächen der beiden, zeigt Pavlović Berks Partisanengeschichte, in der die unterschiedlichen Facetten des jugoslawischen Befreiungskampfes, darunter auch die brutalsten Szenen, wie die des Erschießens eines Mannes aus den eigenen Reihen wegen Nichtigkeiten (Religionsfeindlichkeit!), oder die der beinah „beiläufig“ begangenen Vergewaltigungen, geschildert werden. Berks Erinnerungen sind vom Zweifel und dem skeptischen Blick auf die Revolution und ihrem oft stalinistischen Charakter, und gleichzeitig von der Hoffnung geprägt.

 

Würger gegen Würger

Der Titel von Slobodan Šijans Films Davitelj protiv davitelja (1984, Würger gegen Würger) ist Anspielung auf den Hollywood-Blockbuster Kramer gegen Kramer (1979, Robert Benton). Es ist eine weitere Komödie, die den Kampf zwischen Alt und Neu, zwischen Tradition und Moderne auf originelle, satirisch-parodistische Weise thematisiert.

 

In den ersten acht Minuten des Films wird erklärt, was in der Geschichte (der Kriminalität) Belgrads noch fehlt, damit sich die jugoslawische Hauptstadt endlich „Metropole“ nennen darf. Die Antwort verblüfft: es ist ein (echter) Frauenwürger!

Und am Ende werden es sogar zwei. Der eine ist der „wertkonservative“ Blumenverkäufer Pera Mitić (Taško Načić, der Jäger aus Wer singt denn da?), der noch bei der sadistisch-dominanten, orgelspielenden Mutter (Rahela Ferari), in einer an Hitchcocks Psycho angelehnten, gespenstisch wirkenden, dunklen Kellerwohnung wohnt. Die herrische, vergreiste Mutter, behandelt Pera schlecht, sie bestrafft ihn regelmäßig, meist wegen den zurückgebrachten, nichtverkauften Blumen. Der zweite Frauenkiller wird Peras Nachahmer, der lokale Rock-Sänger, der junge Hipster und Psychiater-Sohn Spiridon Kopicl (Srđan Šaper, der Sänger der Band VIS Idoli). Kopicls Art zu Würgen erinnert wiederum an Würger Bruno aus Hitchcocks Der Fremde im Zug.

 

Das Hauptproblem des Blumenverkäufers liegt in der Tatsache, dass er keine Rosen, sondern ausschließlich rote Nelken, die den sozialistischen Kampf und die kommunistische Ideale symbolisieren, verkauft. Und die wollen die meisten Menschen leider nicht haben. Besonderes abgeneigt, gar angewidert, zeigen sich ausgerechnet die jungen Frauen und Mädchen und werden, also, durch Zufall, Peras Opfer. Der reiche Spiridon Kopicl fühlt sich mit dem armen, und inzwischen berühmt gewordenen Würger verbunden. Er widmet dem traumatisierten Straßenverkäufer, der Belgrad scheinbar endgültig zu Metropole machte, ein Lied, das zum lokalen Radio-Hit wird. Es sind die psychologischen Gründe, die den jungen Kopicl zum Frauenmörder machten, erklärt uns Šijan. Denn die Ursache der Begeisterung des jungen Kopicl für den brutalen, unberechenbaren Würger liegt in der Tatsache, dass sein Vater, nach dem Tod seiner Frau und der Mutter von Spiridon, eine junge, schöne Blondine heiratete. Seitdem träumt der smarte Würger von seiner Stiefmutter und hasst, wie sein Vorbild, alle jungen und schönen Frauen.

 

 

Pera Mitić in Aktion

Feurig und ängstlich

Wie in jedem richtigen Horror-Krimi brauchen die zwei Würger-Kollegen jemanden, der sie verfolgt. Das ist hier der ständig aufgeregte, vor dem Ruhestand stehende Kriminalinspektor Ognjen Strahinjić (Nikola Simić). Der Vorname des Inspektors, Ognjen kommt vom Wort oganj und bedeutet so viel wie der Feurige, der Nachname Strahinjić bedeutet dagegen der Ängstliche und kann ganz nebenbei als Anspielung auf den serbischen Nationalhelden Banović Strahinja, der vermeintlich im Schlacht gegen die Osmanen auf dem Amselfeld 1389 umgekommen wäre, verstanden werden. Der feurig-ängstliche Inspektor glaubt also, wie der junge Kopicl, fest daran, in der übersinnlichen Verbindung mit Pera Mitić zu stehen. Der mit Zitaten aus der Filmgeschichte überhäufte Film endet mit einem furiosen Showdown, in dem alle drei Helden zusammenkommen und demzufolge drei Welten aufeinander prallen lassen.